Eine ganz persönliche Corona Erfahrung


Viele Bücher aufgeschlagen nebeneinander

Ein ganz normaler Arbeitstag (zumindest so angedacht!). Der Sohn verlässt leicht hüstelnd und verschnupft das Haus. Wir haben Dienstag. Um 11:00 klingelt das Natel. Die Schule meines Sohnes ist am Apparat; er zeige Krankheitssymptome wie sie für Corona-Erkrankungen als modetypisch beschrieben würden. Sie, die Schule, müsse ihn nach Hause schicken; so würden es die internen Richtlinien verlangen. Er dürfe wieder zum Unterricht erscheinen, wenn er entweder ein ärztliches Attest bzgl. Unbedenklichkeit der Krankheitssymptomatik oder aber einen «negativen» Corona Test vorweisen könne. Ich schaffe es in diesem knapp gehaltenen Telefonat gerade noch, meine Forderung zu formulieren und sicherzustellen, dass mein Sohn nicht beschäftigungslos nach Hause geschickt wird sondern ihm Arbeitsaufträge für den Rest der Woche mit auf die Heimreise gegeben werden (ich will unbedingt verhindern, dass ein gelangweilter Jugendlicher sich über die nächsten 3 ½ Tage via «Gamen» intellektuell ernährt!). Telefon beendet. Problem gelöst auf der einen (schulischen) Seite. Problem beginnt auf der anderen elterlichen Seite:

Was nun? Kurzfristige momentane Überforderung angesichts der komplett unerwarteten neuen Ausgangslage. Dann ein Telefonat mit dem Hausarzt. Nein, eine hausärztliche Konsultation finde nicht statt: Entweder Corona Test oder nichts. Welche Optionen habe ich denn in dieser Situation? Keine! Ich bestätige also folglich den mir vom Hausarzt vorgegebenen Corona Test Termin: Folgetag, 12:19 (!). Die nächste Herausforderung: Wer kümmert sich um den Sohn während der nächsten drei Tage, was macht er den ganzen Tag, was isst er? Ich bin geschäftlich unterwegs und tagsüber nicht zu Hause. Dank eines verständnisvollen und flexiblen familiären Umfelds kann aber die Mittagstisch-Situation einigermassen gut geregelt werden. Die Arbeitsaufträge der Schule reichen aber bei weitem nicht für eine vernünftige Beschäftigung über die nächsten 3 ½ Tage aus. Medienkonsum in ausgeprägtem Ausmass ist die Folge; ich kann das weder verhindern noch kontrollieren, denn ich bin geschäftlich unterwegs. Die Arbeitsaufträge hat der Sohn clever auf drei Tage aufgeteilt, damit er jeden Tag etwas zu tun hat, aber auch jeden Tag recht ausgiebig «Gamen» kann.

Und wie geht es weiter in den kommenden Spätsommer-/Herbstmonaten? Ein «Pfnüseli», leichtes Schluckweh, etwas Husten, dreimal niessen am Stück? Saisonale Grippe oder bereits Corona? Soll oder muss ich mein Kind und damit sogleich auch mich in Quarantäne schicken? Wer ist hier der richtige Experte? Die Schulbehörden, die Eltern, die Ärzte oder der Bundesrat mit seiner (nicht gehörten) Task-Force? Eine unkontrollierte Hysterie hat schleichend ihren Anfang genommen. Es fehlt an griffigen und transparenten Kriterien, mit der gegenwärtigen Situation massvoll umzugehen. Jeder hat Angst, Fehler zu machen und schiebt deshalb die Verantwortung lieber dem Anderen zu («cover your ass» würden unsere geschätzten US Kollegen dazu sagen); das ist ja auch das Einfachste. Leidtragende dieses Prozesses sind die Eltern und deren Arbeitgeber, die situativ reagieren müssen und in höchstem Masse gefordert sind. Ein gesundes Augenmass auf allen Stufen wäre wünschenswert, so dass eine Grippe eine Grippe sein und bleiben darf und Corona auch noch ein wenig Platz in diesem Theater hat.

Ach ja: Fast hätte ich ganz vergessen, zu erwähnen: Der Corona Test des Sohnes ist – wen wundert es - negativ ausgefallen. Aber wer von all diesen vielen Experten hört in der heutigen Zeit denn schon auf die Eltern, die ihre Kinder wohl am besten kennen und wissen, dass eine leichte Tenue Bekleidung in kühlen Frühmorgenstunden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zeitverzögert zu einer Erkältung führen wird?